Umzug 2010
(ChM) Wir hatten Regen, wir hatten bedeckten Himmel, wir hatten schönsten Sonnenschein, aber Schneefall hatten wir noch nicht. Schon beim Wagenbauendspurt deutete sich an, dass unser schöner neuer Wagen durch Schnee und Matsch würde fahren müssen.
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Samstag, 08:30 Uhr in Gelsenkirchen, erstaunlich viele Brüder und Schwestern waren angereist um die Endmontage des Blues Mobils zu zelebrieren. Tatsächlich hatte das Ganze einen Grund, denn ursprünglich war ein weitaus späterer Treffpunkt geplant. WDR2 Reporter Jörg Steinkamp stand mit seinem Ü-Smart vor der Tür und erwartete die ersten Ankömmlinge. Um kurz nach 09:00 Uhr gingen wir dann live auf Sendung. Das von Jörg geführte Interview war Bestandteil des kleinen Wettbewerbs zwischen dem Rheinland und dem Ruhrgebiet. Es ging um die Frage, ob der westfälische Karneval mit dem rheinländischen im Vergleich mithalten kann. Wir finden schon und unser Präsident Herr Meyer brachte dies im Interview auch wunderbar rüber. Am Mittag berichtete Jörg dann ein zweites Mal live. Diesmal direkt von der GüKaGe.
| Die Radioberichte vom Wagenbau hört ihr hier : |
| Radio Bochum vom 11-02-10 |
| WDR2 vom 13-02-10 |
Nachdem sich die morgendliche Aufregung gelegt hatte ging es dann wirklich ans Eingemachte. Die Seitenteile des Wagens musste fertig montiert werden, die Musikanlage musste auf den Wagen und der berühmte Feinschliff fehlte auch noch. Gegen 11:00 Uhr trudelten die letzten „Bauer“ ein und jeder war irgendwie beschäftigt. Es wurde tapeziert, gesägt, geschnitten, geschraubt, geflucht, gehämmert und gestrichen. Gegen Mittag gab es dann von unserer „Baumutter“ Moni ein feines Currywurstsüppchen mit leckerem Baguette dazu. Alle waren restlos begeistert und vor allem satt. Nach der kleinen Stärkung wurde das Feintuning fortgesetzt und man glaubt es kaum um kurz vor 18:00 Uhr standen wir vor einem abfahrtbereiten Karnevalswagen der Extraklasse.

Sonntag 09:00 Uhr in Gelsenkirchen, es hatte den ganzen letzten Abend und in der Nacht fast fünf Zentimeter geschneit. Alles war weiß. Songs wie „Winterwonderland“ oder „Frostie the Snowman“ wären passender gewesen, doch verließ das Blues Mobil wummernd mit „Hey was geht ab?“ die Bauhalle auf Schalke. Sait „Onkel“ Tosun, weltbester Karnevalswagenfahrer mit der Erfahrung von drei Umzügen war ebenfalls wieder mit von der Partie. Er kutschierte die feiernde Gemeinde sicher und zielstrebig über Eis und Schnee und so erreichten wir dann um kurz vor 11:00 Uhr Höntrop. Aufstellung bezogen! Nach und nach, kamen weitere Karnevalswagen in Höntrop an. Vor uns die Wagen des Hamster Clubs, hinter uns ein Reitverein mit seinem Gelenkbus und einer fetten Musikanlage auf dem Dach. Freudig wurde an Bord des Blues Mobils gefrühstückt. Käsewürfel, Schnitzel, Brötchen, Kekse, Mettwurst. Das Buffet war eröffnet. Warm- und Kaltgetränke waren ebenfalls zahlreich vorhanden. Gegen 11:50 Uhr setzte sich dann der ganze Tross in Bewegung um zum endgültigen Startort Günnigfeld zu ziehen. Die Schleichfahrt dauerte rund eine Stunde und so kamen wir dann am Ende gegen 13:15 Uhr an unserem Startpunkt an. Hier, auf der Günnigfelder Straße, sollten nun auch die letzten Mitfahrer zusteigen und nachdem auch das Wagenbegleitpersonal eingewiesen worden war erwarteten alle die Abfahrt des Zuges. Dann ein lautes „Flop“ und aus war die Musik. Ratlose Gesichter schauten sich an, denn der Generator unter dem Fahrzeug blubberte weiterhin fröhlich vor sich hin. Hektisch wurden die Leitungen überprüft und die Stecker rein und raus gesteckt. Alles in Ordnung. 13:40 Uhr und noch keine Spur von unserm Haus- und Hofelektriker. Die Gesichter der zuvor gut gelaunten Partygemeinde auf dem Wagen versteinerten sich weiter. 13:50 Uhr der Stromfachmann traf endlich ein, stürmte auf den Wagen zu, riss sich die Jacke vom Leib und rutschte unter den Wagen zum Aggregat um dies zu überprüfen. 13:55 Uhr und mehr schlechte Nachrichten: Es wurde vermutet, dass eine kaputte Sicherung die Misere verursacht hat. 14:00 Uhr und der Versuch die Sicherung mit Alufolie zu Überbrücken schlug fehl (bei MacGuyver hätte es geklappt). 14:05 Uhr: der Zug setzte sich oberhalb in Bewegung und die Gesichter der Mitfahrer wurden blass. Keine Musik, kein Stimmung. Es war wie vor 4 Jahren, wo uns schon einmal der Strom verließ. „Helau schreiend“ und zu der Musik des hinteren Wagens tanzend, setzten wir uns dann schließlich in Bewegung. Schnell wurde klar, dass wir in diesem Jahr keinen Zuschauerrekord erreichen würden, denn bereits in Günnigfeld taten sich große Lücken auf. Nach den ersten 500m Fahrtweg stand dann eine Gruppe der Altersabteilung der Blues Brothers am Straßenrand. Gekonnt schoss Kanonier Renner die jubelnde Meute ab. Bittererweise war dies der letzte Schuss des Tages denn zu allem Übel verließ uns auch unsere Konfettikanone. Kanonier Renner kam enttäuscht auf den vorderen Teil des Wagens. Was für ein Katastrophentag!
Zeitgleich versuchte unser Elektriker irgendwie ein Ersatzaggregat zu organisieren. Er telefonierte und telefonierte, machte und tat und am Ende schaffte er das Unmögliche. An der Hauptschule Voedestraße hievten der Busfahrer unseres Vertrauens, Vossy und ein Passant ein neues, kleines Stromaggregat während der Fahrt auf den Wagen. Sensationell, denn schon wenige Meter weiter ächzte die Musikanlage und kaum Sekunden später explodierte die Stimmung auf dem Wagen. Durchaus verwirrte Gesichter schauten uns vom Straßenrand her an. Schunkelnd, singend und schreiend fuhren wir dann am Rathaus vorbei. Oberkarnevalist Josef Najda rief uns, wie übrigens jedes Jahr, ein „macht weiter so“ zu und wir riefen artig mit einem kräftigen Helau zurück. Etwas Stau hatte sich gebildet und so standen wir dann vor dem Gertrudiscenter und erwarteten die Einfahrt zur hoffentlich vollen Innenstadt. Unsere Erwartungen wurden zum Teil erfüllt. Die Stadt war voll, aber nicht überfüllt und mit großer Freude und herrlicher Stimmung durchkreuzten wir die Fußgängerzone bis zum August-Bebel-Platz. Deutlich negativer war die Stimmung an der Post. Einige betrunkene Halbstarke versuchten am Wagen hochzuspringen um an Blümchen zu kommen, die die Mitfahrer in den Händen hielten. Negatives Highlight war, dass einem dreijährigen Mitfahrer eine Fahne aus der Hand gerissen wurde und das Kind dabei den Stab durch das Gesicht gezogen wurde. So macht Karneval keinen Spaß und es bleibt zu hoffen, dass der heranstürmende Polizist, der das Unheil beobachtet hatte entsprechend eingeschritten ist. Wer mit Glasflaschen wirft oder kleinen Kindern Dinge aus der Hand reißt hat nichts auf dem Umzug verloren.
Etwas entspannter waren dann die letzten Meter bis zur Araltankstelle und dem Ende des Umzuges. Trotz des Stromaussetzers am Anfang des Zuges, erlebten wir am Ende doch einen tollen Umzug. Vor allem die Fahrt durch den unteren Teil der Innenstadt hat tierisch viel Spaß gemacht.
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Sonntag 19:00 Uhr, die letzten „Wagenwegbringer“ treffen im Keglerheim zu Wattenscheid-Eppendorf ein und erhalten ihr verdientes Bierchen. Beim Essen wurde bereits über den nächsten Wagen philosophiert. Viel früher als sonst, gegen ca. 22 Uhr löste sich die Gruppe der Mitfahrer dann langsam auf. Die wochenlange Arbeit ist gipfelte in einem dreistündigen Umzug und ein langer und anstrengender Tag ging zu Ende. Aber nächstes Mal sind wir wieder voll dabei.
Helau !











