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EM Finale Wien 2008

 

EM-Finale Wien

(ChG)Nach der WM ist vor der EM – wie ein altes Fan-Sprichwort sagt. Nach der erfolgreichen Teilnahme an der WM-Karten-Lotterie wurde keine Gelegenheit ausgelassen, auch für die EM einige der begehrten Tickets zu erhaschen. War es nur Zufall oder ein Zeichen? Jedenfalls konnte ich (der Görki) den Mitbrüdern und –schwestern am Tag unseres Besuches des Blues Brothers Musicals in Dortmund die Zuteilung von vier Karten für das Finale der Fußball-Europameisterschaft in Wien verkünden – mit der kleinen Einschränkung, dass Deutschland dieses erreichen müsse. Sonst hätte vermutlich irgendein Holländer selbiges Glück.

Da zu diesem Zeitpunkt das Finale und der Glaube an eine Teilnahme der deutschen Mannschaft noch fern waren, gingen einige Wochen ins Land, bevor es daran ging, die Mitfahrer ausfindig zu machen. Nachdem die Interessenten ermittelt waren, entschied das Los über die drei weiteren möglichen Reiseteilnehmer. Machi, Hoffi und der DJ waren die Glücklichen.

Die EM begann für uns mit einer Tour nach Klagenfurt zum Polen-Spiel, worüber an anderer Stelle zu lesen ist. Die Schilderung des weiteren Verlaufs der EM soll hier auch nicht erfolgen. Dafür gibt es genügend andere Quellen.

Nach dem 3:2 gegen die Türkei stand es also fest: wir fahren nach Wien! Nun galt es zu überlegen, auf welche Art die Anreise erfolgen sollte. Bei einer Fahrt mit dem Auto hätten wir in jedem Fall übernachten wollen, eine erste Prüfung verfügbarer und bezahlbarer Möglichkeiten zeigte, dass dies nur die allerletzte Alternative sein konnte. Die regulären (günstigen) Bahn-Angebote waren auch sehr schnell vergriffen, schließlich waren wir nicht die einzigen Wien-Fahrer. Machi brachte dann einen Partyzug mit Sambawagen ins Spiel, der ab Dortmund fahren würde; mit € 109,- zudem die günstigste Variante. Also wurden vier Plätze gebucht. Zudem hatten Chrisi und sein Cousin Micki beschlossen, uns zu begleiten und vor Ort Tickets zu erwerben. Mit zwei weiteren Wattenscheidern, Holzi und Ebbi, die das Finale in Wien erleben aber nicht um jeden Preis Karten kaufen wollten, standen also acht Wien-Fahrer fest.

 

Sambazug - das Partyabteil 

 

Terror & Hofi 

Der Partyzug sollte den Bochumer HBf am Samstagabend um 22:10 Uhr verlassen. Der Weg zum Bahnhof gestaltete sich aufgrund diverser Absperrungen für die am nächsten Tag stattfindenden Deutschen Meisterschaften im Straßenradfahren ein wenig schwierig, aber auch diese Hürde wurde genommen und der Bahnsteig rechtzeitig erreicht. Als der Zug mit mehr als 30 Minuten Verspätung eintraf, wurden bereits einige bekannte Gesichter aus dem National-Mannschafts-Fanclub gesichtet. Im Zug lief uns dann auch noch ‚Terror’ über den Weg.

Im Abteil angekommen wurden die letzten mitgebrachten Bierchen getrunken und bei einer gemütlichen Würfelrunde sollte es auch dem Schnaps an den Kragen gehen. Nach Machis Einwand, dass man diesen ja auch ohne Würfeln trinken könne und der Zustimmung aller, wurde der Schnaps ebenfalls geleert. Nun stand einer Fortsetzung im Sambawagen also nichts mehr entgegen. Im Sambawagen herrschte bereits gute Stimmung, die natürlich mit weiteren zugestiegenen Fans (schließlich hielt der Zug bis Nürnberg noch ein paar mal) und der Einnahme weiterer alkoholischer Getränke weiter stieg.

 


Die Vorfreude auf das Finale war riesengroß und natürlich waren alle zuversichtlich, dass es nur einen Gewinner geben könne: Deutschland. Dies wurde in den Gesängen auch zum Ausdruck gebracht. Da wir am nächsten Tag ja noch etwas vorhatten, zogen wir uns zu vorgerückter Stunde in unsere Abteile zurück. Doch Hoffi, der sich im Verlauf der Nacht mit ‚Terror’ angefreundet hatte, war nicht aufzufinden. Als wir wach wurden, kniete er vor seinem Platz, den Kopf auf den Sitz gebettet und schlief. Er sah allerdings aus, als hätte man mit ihm den Sambawagen gewischt.

Kurz nach 11 Uhr erreichten wir dann Wien-Westbahnhof. Wir suchten die passende U-Bahn, denn wir mussten zum Volkstheater, um unsere Voucher in die begehrten Tickets umzutauschen. Vom Volkstheater aus zogen wir weiter am Museumsquartier vorbei, auf der Suche nach einer Gelegenheit zum Frühstück. Die teilnehmenden Nationen wurden hier mit überdimensionalen Schuhen dargestellt, wobei die Schuhe der beiden Finalteilnehmer in der Mitte postiert waren. Wir trafen eine Gruppe Schotten, denen wir unser Schottland-Banner präsentierten.

 

Schotten in Wien ! 

 



Wir fanden schließlich eine Bäckerei, vor der wir auch sitzen konnten, und so wurde erst einmal gefrühstückt. Derweil nutzten Chrisi und Micki ihre Kontakte, um ihrerseits noch Karten für das Finale zu bekommen, was schließlich auch klappte.
So genossen wir noch ein wenig das schöne Wetter und ruhten uns ein wenig aus, bevor wir dann noch einen Abstecher zur Fanmeile unternahmen.

Auf der Fanmeile waren deutsche Fans eindeutig in der Überzahl. Auf der Bühne wurde Live-Musik dargeboten und auch noch Tickets verlost. Wir brachen dann zeitig in Richtung Stadion auf, da wir noch unser Banner platzieren wollten. Somit hatten wir dort ausreichend Gelegenheit, Fotos zu schießen, nach Fanartikeln zu schauen und eine Kleinigkeit zu essen. (Bei jedem NRW-Ligisten ist die Auswahl größer als bei dieser EM!) Auf den Genuss alkoholfreien Bieres konnten wir sowieso gut verzichten. Unsere Plätze waren hinter dem deutschen Tor.

 

Fanmeile Wien 

 


Nach dem Warmmachen der beiden Mannschaften gab es noch eine kurze Schlussfeier, in der der Turnierverlauf noch einmal dargestellt wurde. Ballons der ausgeschiedenen Teams stiegen gen Himmel auf, bis nur noch Spanien und Deutschland übrig blieben.

 

Im Stadion 

Dann kamen die Mannschaften zu den Nationalhymnen auf den Platz. Es ging also endlich los. Die Unterstützung für die deutsche Mannschaft war phänomenal. Alle waren guter Dinge, dass es mit dem Titelgewinn klappen würde. Der Fanclub Nationalmannschaft hatte sich auch wieder eine geile Choreo einfallen lassen.

 

Nach einer guten Chance für Klose zu Beginn des Spiels übernahm Spanien mit zunehmendem Verlauf immer mehr das Kommando. Und so kam, was kommen musste, aber aus unserer Sicht nicht kommen durfte. Nach einem Patzer von Lahm erzielte Torres das 1:0 für Spanien. Zur Halbzeit war die Stimmung natürlich getrübt, hatten doch nun alle Zweifel am Erreichen des großen Ziels. Zu deutlich war Spaniens Überlegenheit, zu wenig Impulse kamen aus dem deutschen Mittelfeld. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde das deutsche Team wieder lautstark unterstützt. Bis auf eine kurze Drangphase konnte aber kein entscheidender Druck auf Spanien ausgeübt werden. Die Spanier kontrollierten das Spiel und kamen gegen Ende zu weiteren hochkarätigen Tormöglichkeiten. Die Fans realisierten, dass Deutschland an diesem Abend keine Chance haben würde, und so wurde auch der Support immer leiser. Der Schlusspfiff beendete auch die letzte Hoffnung. Wenn der Torwart der beste Spieler ist, sagt das alles über ein Spiel aus.

Die Schiedsrichter und beide Mannschaften bereiteten sich nun auf die Siegerehrung vor und die Spanbier feierten anschließend ausgelassen mit ihren Fans.
Zum Abschluss gab es dann noch ein Feuerwerk und einen Papier- und Folienregen.

 

Nach dem Spiel 

 


Die deutsche Mannschaft bedankte sich bei ihren Fans für die Unterstützung bei diesem Turnier und verschwand dann in den Katakomben des Ernst-Happel-Stadions.

 

Nach dem Spiel 

 


Auch wir verließen nun das Stadion, um zum Westbahnhof zurückzukehren. Unterwegs stärkten wir uns noch in einer Filiale einer weltbekannten Fast Food-Kette. Nach Feiern im Sambawagen war uns nicht zumute, und so schliefen wir in unseren Abteilen. Am frühen Montag Nachmittag trafen wir wieder in Bochum ein. Mit dem Titelgewinn hatte es leider nicht geklappt, aber wer weiß schon, ob sich für uns noch einmal die Chance bietet, bei einem EM-Finale dabei zu sein.