Der Umzug 2002

(ChM)Knapp zwei Jahre ist es her, die Blues Brothers Wattenscheid, eine Interessensgemeinschaft in Sachen Fußball und Feiern, unterhielten sich „beim Bierchen“ über den Wattenscheider Karneval und über den Traum, den viele der Brothers schon einmal hatten: einen eigenen Karnevalswagen.


Zunächst schwirrten die unglaublichsten Ideen durch die Köpfe jedes einzelnen und jeder hatte irgendwie seine eigene Vorstellung von einer Umsetzung dieser Idee. Doch nach einigen Monaten nahmen diese Ideen bereits feste Konturen an. So traf sich eines Tages eine Gruppe von 20 Leuten um das Projekt „Karneval 2002“ gemeinsam in Angriff zu nehmen. Da die Blues Brothers alleine nicht Zahlenmäßig ausreichten, wurden verschiedene Leute aus dem weiteren Bekanntenkreis der Brothers hinzugezogen. Bei diesem ersten Treffen wurden erste Aufgaben und andere wichtige, z.B. finanzielle Dinge abgesteckt.

Damit alle der Mitfahrer auf dem neusten Stand der Planung waren, wurden in der Nachfolgezeit bis zuletzt regelmäßige Treffen veranstaltet. Diese Planungstreffen wurden in unserer Stammkneipe „Zum Keglerheim – Paul Kleine“ in Wattenscheid-Eppendorf abgehalten.

Die heiße Phase wurde dann mit dem letzten Planungstreffen Ende Dezember 2001 eingeleitet. Die letzten wichtigen organisatorischen Dinge wurden besprochen und auf die ein, oder andere Person verteilt.

Anfang Januar dann, begannen die regelmäßigen Bauorgien in den Hallen der JdW Spedition in Gelsenkirchen-Schalke. Zunächst wurde der überdimensionale Brother, die Figur die später den Wagen schmücken sollte, gebaut. Dann im zweiten Schritt die Seitenteile, die den LKW zieren sollten.


Ausrollen



Am 08.02.02 ging es dann richtig los. Um genau 11.23 Uhr rollte der LKW der Franz Morsbach Spedition rückwärts in die Bauhalle ein. Zunächst musste die Plane abgenommen und der Aufbau abgerüstet werden. Dies war gegen ca. 13 Uhr beendet. Im direkten Anschluss begannen die eigentlichen Arbeiten. Das Gerüst aus Stahlstangen wurde auf dem LKW installiert. Die Laufbretter wurden aufgelegt und verzurrt. Dann folgten die Seitenteile, das Dixie-Klo und nicht zuletzt die Blumenkästen für die 1 Tonne Kamelle, die 17500 Brausetüten, die 1600 Frisbeescheiben und die Mengen an sonstigem Wurfmaterial. Gegen ca. 12 Uhr in der Nacht wurden die Freitagsarbeiten mit dem Bau eines Podestes für unseren Rolli-Brother abgeschlossen.


Der 09.02.02 brachte bereits einige Kopfschmerzen mit und trotzdem mussten noch viele Kleinarbeiten erledigt werden. Zunächst wurde das Klohäuschen ( Mit schönen Herzchen an den Seiten und einem „ duftenden “ Wunderbaum ) zu Ende gebaut. Danach wurde das Soundsystem installiert. Und schließlich wurde der Wagen bis auf den letzten Zentimeter mit Wurfmaterial bestückt. Die übrig geblieben Kartons wurden in den Nachfüllwagen verladen. Um 18:30 Uhr war Feierabend und alle fieberten bereits auf den nächsten Tag hin.


m 9.00 Uhr an diesem 10.02.02 war es soweit. Nach und nach trudelten die ersten Blues Brothers Wattenscheid in Schalke ein. In jedem der ankommenden Gesichter konnte man die Anspannung und Vorfreude erkennen. Die Spannung stieg ins unermessliche. Nur das Wetter verdarb einigen Anwesenden zunächst die Stimmung. Doch als es dann endlich hieß „Alle aufsteigen, es geht los“ und dann noch die Sonne durch die Wolken brach, gab es kein halten mehr: Die Blues Brothers Wattenscheid fahren bei dem Karnevalsumzug in Wattenscheid 2002 mit! Zunächst einmal hieß es allerdings zur Startaufstellung an der Osterfeldstraße in Wattenscheid-Günnigfeld zu gelangen. Der Hinweg dorthin war schon allein die ganzen Mühen wert. Kaum verließen die Brothers den Gewerbepark Schalke, mühten sich bereits die ersten verschlafenen Schaulustigen an die Fenster der Kurt-Schumacher-Straße und trauten ihren Augen kaum. Mit lautem Tam-Tam bewegte sich der LKW Richtung Wattenscheid und beglückte bereits einige Autofahrer und Autofahrerinnen mit Bonbons und Brausetüten. In Ückendorf angekommen, musste das Stromaggregat nochmals nachgetankt werden und als der Wagen an der Tankstelle hielt, prasselte ein Regen- und Hagelschauer auf das Dachlose Gefährt nieder. Platschnass positionierte sich der LKW schließlich Rückwärts in der Friedhofstraße, einer Seitenstraße der Osterfeldstraße. Hier wartete der LKW nun auf den Rest der dritten Abteilung um in die Position 81 einzuscheren.

Die Wartezeit wurde mit einigen Brötchen und der ein oder andere Flasche Pils versüßt. Ein kleiner, aber nicht mehr so starker Regenschauer ging erneut auf den Wagen nieder. Nach eineinhalb Stunden kam dann endlich die dritte Abteilung in die Osterfeldstraße und ein großer Teil des Zuges fuhr an dem Wagen der Blues Brothers vorbei. Natürlich wurden die vorbeifahrenden Fahrzeuge begrüßt und gefeiert. Unter anderem löste ein Brother im Fremdeinsatz beim „CCW“ wahre Begeisterungsstürme aus. Außerdem fuhr der 98,5 Wagen mit dem ein oder anderem 09 Spieler an den Brothers vorbei. Besonders Andreas Teichmann schien in besonderer Laune zu sein. Er jubelte bis der Wagen aus der Sichtweite war herüber. Dann endlich war der Corsa, der sich für das Blues Mobil in Sevinghausen eingereiht hatte in Sichtweite. Schnell wurden die Positionen gewechselt und endlich stand der LKW in der Startreihe.

Um 14.45 Uhr rollte das dritte Abteil dann los und die Anspannung löste sich und brachte eine wahre Freudenorgie hervor. Bereits in Günnigfeld waren mehrere tausend Menschen an der Strecke und feierten die vorbeifahrenden Wagen des Umzuges. Jung und Alt hingen aus halb geöffneten Fenstern. Menschen jubelten von den Straßenrändern, sangen und feierten. Ein wahnsinniger Anfang. Am Ende der Günnigfelderstraße wartete dann die einzige Prüfung auf die Brothers. Die 3,80m Brücke in Richtung Innenstadt. Die Boxen auf dem Dach des Toilettenhäuschens wurden nach unten gekippt und mit wenigen Zentimetern Luft zur Decke der Brücke passierte der Wagen glanzvoll diese Hürde. Kaum waren die Boxen wieder an ihrem Platz, warteten bereits weitere tausende Menschen auf der Parkstraße auf den Zug. Mit einem dreifachen „Wattsche Helau“ wurden die singenden Zuschauer begrüßt und für die tolle Stimmung mit reichlich Kamelle belohnt. Mancher Bekannte an der Strecke wunderte sich nicht schlecht, als er eine Frisbeescheibe der Blues Brothers Wattenscheid an den Kopf bekam.

Der nächste Abschnitt folgte dann mit der Voede- und Freiheitstrasse in der Wattenscheider Innenstadt. Nach einer längeren Wartezeit an der Ecke Park- und Voedestraße setzte sich der närrische Lindwurm in Richtung Freiheitstrasse fort. Das nächste Highlight ließ nicht lange auf sich warten. Ehe die Ehrentribüne wusste wie ihr geschieht, wurde sie mit einem „Wattsche Helau“ lautstark begrüßt. Das ein oder andere verdutzte Gesicht war durchaus zu erkennen. Auch die Polizei am Rathaus staunte nicht schlecht, als sie nicht minder lautstark zu einem Tänzchen aufgefordert wurde. Trotz einer sehr dürftigen Einlage, wurden die Grünen mit reichlich Bonbons belohnt. Dann wurde es plötzlich hektisch auf dem Wagen der Brothers. Das Nachladen rückte näher und das war auch nötig, denn bis auf einige Reserven war noch kaum etwas auf dem Wagen. Ungefähr 5 Leute waren abgesprungen um die Nachfüllkartons in Höhe des Gertrudisplatzes auf den Wagen zu werfen. Etwas hektisch aber mit vollem Erfolg landeten die Kisten auf dem Fahrzeug bevor es rechts zum großen Finale in die Wattenscheider Innenstadt ging.

Kaum abgebogen ging es auch schon wieder los. Von der Elf-Tankstelle bis zur Wattenscheider Post steppte der Bär und abermals tausende von Menschen in Narrenkostümen jubelten dem Brother-Fahrzeug zu. Bereits vor dem alten Horten Gebäude wurde deutlich, dass es jetzt kein halten mehr gab. Eine Gruppe von Kühen feierte neben unserem Wagen förmlich ab und plötzlich wurde eine ganze Tüte mit Berlinern auf den Wagen geworfen. Selbstverständlich wurden diese unmittelbar vernascht. Offene Fenster in den ersten Etagen der Geschäftsstraße luden zum hineinwerfen ein. Die Mitarbeiter einer Bank sollten sich nicht über die Brausetüten auf ihrem Vordach wundern. Ab der Friedenskirche ging dann alles furchtbar schnell. Zu schnell, wie viele hinterher anmerkten. Die Brothers gaben nochmals alles. Es flogen Bonbons, Brausetüten und Frisbeescheiben ohne Ende. Die Leute an der Strecke honorierten den Auftritt mit Applaus und kräftigem Gesang.

Schließlich ging es auf das letzte kleine Teilstück bis zur Graf-Adolf-Straße. Auch hier waren noch einige Narren unterwegs. Videokameras, Fotoapparate klickten und surrten, Menschen waren in Feierstimmung, ein wahrer Wahnsinn spielte sich auch hier ab. Doch alles Gute geht einmal zu Ende und so ereichte das Blues-Mobil schließlich die BP-Tankstelle und somit das Ende des Umzuges.


Dieser besondere Tag war allerdings noch nicht zu Ende. Der Fahrer des Brothers-Fahrzeuges Peter fuhr den LKW sicher wie immer noch Richtung Eppendorf, um die Gruppe beim „Paule“ abzusetzen. Dort war die Nachfeier bereits vorbereitet und Anhänger unserer Gemeinschaft warteten bereits Vorort. Einige der Mitfahrer brachten den Wagen dann schließlich mit einer rasanten fahrt zurück nach Schalke, wo der tolle Wagen am Rosenmontag wieder abgebaut worden ist.

Am Abend des Umzuges wurde eines deutlich: viele der Blues Brothers Wattenscheid hatten lange nicht mehr so einen Spaß. Alle waren überwältigt und baff ob des unglaublichen Gefühls einmal auf einem Karnevalswagen mitzufahren.

Und jetzt kann es nur ein Ziel geben: Die Rückkehr der Blues Brothers Wattenscheid im Jahr 2004 !


Dancing Thommy


14.02.02


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