Dresden 2002

(ChM)Ein Saisonauftakt ist irgendwie immer etwas besonderes und da wir in den letzten Jahren eigentlich nie ein Spiel verpasst haben, wollten wir auch im diesem Jahr wieder bei dem ersten Spiel dabei sein. Das die Reise eine Fahrt nach Dresden sein würde machte uns nichts aus. Dresden eine Stadt im Osten. Man hatte schon viel über diese Stadt, den Verein Dynamo und seinen Fans gehört und gerade deswegen begann die Tour um 4:00 Uhr in der früh mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch. Eigentlich wollten wir mit zwei kleinen Transportern der Firma Steilmann fahren. Da allerdings mehr Leute gekommen waren als ursprünglich geplant wurde kurzerhand noch ein PKW von uns gesattelt. So konnte wenigstens jeder gemütlich sitzen und es musste, und das war das wichtigste, keiner zu hause bleiben. So fuhren wir also mit drei Fahrzeugen in der Kolonne Richtung Dresden und nach dem Zusteigen einiger weiteren Fans in Dortmund war die Auswärtscrew komplett. Die Fahrt nach Sachsen verlief sehr schnell, da wir nicht durch großartige Staus oder volle Autobahnen behindert wurden. Dementsprechend viele Pausen waren möglich und so sah man den ein oder anderen Parkplatz bevor sich die Autobahnabfahrt Dresden Neustadt näherte. Kaum nachdem wir die Autobahn verlassen hatten, bewegten wir uns bereits durch die großen Plattenbausiedlungen der Dresdener Neustadt. Ein Turmbau neben dem anderen. Schnell wurde einem klar was die Städteplaner der ehemaligen DDR mit dieser Stadt gemacht hatten. Am Bahnhof Neustadt konnten wir dann ein riesiges Kontingent von Polizisten begutachten. Wie sich hinterher herausstellte waren die Hundertschaften die sich auch in der Innenstadt aufhielten zum Schutz gegen Linke Demonstranten gestellt worden. Aus der Ferne konnten wir uns dann über den Stand des Aufbaues der Dresdener Frauenkirche informieren. Mehr als einige Kräne und Gerüste waren aber leider nicht zu sehen. Einige Touristenbusse fuhren gerade am Stadion vorbei als wir an der Zufahrt des Mannschaftsbusses am Rudolf-Harbig-Stadions ankamen. Besonders modern schienen die großen Doppeldeckerbusse zu sein, die man auch aus London und Berlin kennt. Da wir auf dem Gelände parken wollten, wo auch der Mannschaftsbus stehen sollte, wir aber nur nach einem OK von Hannes Bongartz auf diesen bewachten Parkplatz durften mussten wir noch einige Zeit warten, da der Bus noch am Mannschaftshotel zugegen war. Während der Wartezeit (auf dem Präsentierteller) zogen bereits einige Dynamo-Fans an uns vorbei. Bei einigen Leuten konnte es man schon mit der Angst zu tun bekommen. Wenig einladende Frisuren und agressive Gesichtsausdrücke machten auf sich aufmerksam. Allerdings blieb alles ruhig. Im Gegenteil ein Großteil der Leute die an uns vorbeigingen hielten an um uns zu begrüßen. Man mochte es kaum glauben, aber es kam sogar zu manchem Gespräch mit Dynamo Fans. Das zeigt wieder einmal, dass man nicht ganze Vereine über einen Kamm scheren sollte. Diese positiven eindrücke wurden dann aber durch einige anderen Fans direkt wieder gedämpft. Denn diese eben anderen Fan konnten sich Kommentare wie, "Wessies haut ab" und "Verpisst euch ihr Spinner" nicht verkneifen. Schade. Nach langen Diskussionen durften wir dann endlich auf den Mannschaftsbusparkplatz und bekamen sogar noch Ehrekarten für das Stadion. Gesagt, geparkt und nach dem Aussteigen machte sich die kleine Wattenscheider Traube auf, um quer durch das Stadion zum Block zu kommen. Endlich war der Block erreicht. Alle atmeten etwas auf, dass alles so gut und ruhig verlaufen war. Kurz vor dem Anpfiff waren dann plötzlich doch ca. 40 Wattenscheider anwesend. Ein Wunder und keiner wusste so genau wie und wo die anderen noch her kamen. Ein Bus war noch aus München vom Fanclubturnier angereist und der ein oder andere Kurzentschlossene hatte sich auch noch auf den Weg nach Dresden gemacht. Das Spiel plätscherte nach dem 1:0 für Dynamo so vor sich hin. Beeindruckend war die Stimmung im Stadion allerdings schon. So ziemlich alle der 7500 Dynamo-Fans brüllten ihre Mannschaft nach vorne. Auch Ihre großen Fahnen machten ein schönes Bild. In den letzten 10.Minuten des Spiels spitze sich die Lage dann zu. Nach der Roten Karte gegen einen Dresdener wurde die Stimmung auf den Tribünen plötzlich agressiv. Man konnte sehr schnell erkennen wozu einige dieser Fans imstande waren. Das Spiel endete dann mit dem Sieg für die Dynamos und eine Freudentaumel ging durch die Baracke Rudolf-Harbig-Stadion. Die 09 Fans mussten dann noch einige Minuten warten bis sie aus dem Stadion durften. Ein Zivilpolizist und einige Security-Leute brachten uns dann schließlich zurück zu unseren Fahrzeugen. Einige von uns hatten dann die Gelegenheit etwas mit dem Sicherheitspersonal zu quatschen. Während dem Gespräch stellte sich schnell heraus, was passiert wenn in Dresden einmal ein richtiger Gegner (Fantechnisch) aufspielt. Der Polizist erzählte das bei manchem Oberligaspiel 10 Hundertschaften rund um das Stadion für Sicherheit sorgten. Zum Vergleich : Bei dem Spiel Essen-Dresden werden nur zwei Hundertschaften vor Ort sein. Auf die Frage woher die Agressivität kommt bekamen wir nur eine Antwort : "Westdeutschland". Eigentlich sollte man meinen, dass nach 12 Jahren Einheit so etwas nicht mehr in diesem Maße vorkommt, doch offensichtlich haben wir uns geirrt. Gerade von der Ostseite gibt es einen tiefen Hass gegenüber allen Westdeutschen. Wie schlimm dieser Hass ist wurde uns einige Minuten später klar. Ein dreizehnjähriger ging an uns vorbei und brüllte aus tiefer inneren Überzeugung : "Scheiß Wessies, verpisst euch!". Geschockt und traurig fuhren wir dann wieder Richtung Autobahn los. Mit diesem Hassgefühl im Bauch fuhren wir dann erneut an den Plattenbausiedlungen vorbei und jetzt sah man wieder diesen unterschied zwischen den kulturell wichtig herausgeputzten Bauten und den riesigen immer gleich aussehenden Häusern. Zudem überholten uns immer wieder Autos der Polizei, die auf dem Weg nach Hause waren. Kolonnen aus Mains, Wiesbaden, Bremen und Oldenburg überholten uns. Dieses gesamte Bild, dieser Gesamteindruck dieses Tages in Dresden wird uns mit Sicherheit noch einige Tage und Wochen in den Köpfen bleiben. Ich glaube, dass es sehr schwer werden wird diese Stadt irgendwann einmal zu mögen. Vielleicht muss man sich einfach mal mehr Zeit für eine Besichtigung nehmen. Man soll nicht pauschal urteilen und garantiert gibt es auch jede Menge Vorzüge dieser Stadt und der Leute dieser Stadt aber der Kulturschock sitzt tief. Dies möge uns bitte niemand übel nehmen.


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