"JGA" Meyer 2005

(ChM)Als vor knapp einem Dreivierteljahr bekannt wurde das Frau Zwierzynski sen. und Herr Meyer ehelichen würden, war der Schock unter den Blues Brothers recht groß. Dies lag weniger an der eigentlichen Tatsache als mehr an jener, dass die beiden die ersten unseres illustren Haufens sein würden. Der Schock jedoch verflog, als jedem klar wurde, dass so eine Hochzeit reichlich Grund zum Feiern bieten würde und so startete an diesem Wochenende der erste Teil der Feierlichkeiten: Der Junggesellenabschied des Herrn M. !

Im Vorfeld wurden einige Überlegungen angestellt wie so ein Junggesellenabschied aussehen sollte und nicht wenige Möglichkeiten wurden diskutiert. Leider verging die Zeit schneller als erwartete und so ließ sich, die ein oder andere Variante, nicht mehr verwirklichen. Der letztlich heiße Tipp kam dann ausgerechnet von der Mädelsfraktion und nach kurzer Überlegung wurde diese Idee dann auch umgesetzt.


König, Oh König !




Samstag 13.08.05, 07:20 Uhr: Neun müde schielende Gestalten versammelten sich vor der Meyerisch-Nochzwierzynskischen Gemeinschaftswohnung. Der Haustürschlüssel, welcher Tags zuvor organisiert worden war, lag bereit. Es konnte also losgehen.

Das Türschloss öffnete sich mit einem leisen Knacken und die Haustür sprang auf. Die neun Herren betraten den hohen Hausflur und schlichen auf Katzenpfoten die Etagen empor. Im obersten Stockwerk tauchte die Wohnungstür auf. Ein erneutes, leises, Klacken öffnete auch dieses Hindernis und das Überfallkommando tastete sich zum Schlafzimmer vor.
Mit einer herbeifliegenden Tageszeitung und „Guten Morgen Geschrei“ wurde das Schlafzimmer erobert. Agathe verkroch sich unter die Bettdecke und Herr Meyer lag mit verschränkten Armen auf dem Bett.
„Aufstehen! Es geht los!“, brüllte schließlich Herr Rupprecht und so wurde der „Zukünftige“ aus dem Bett gezogen. Während aus dem Badezimmer Zahnputzgeräusche erklangen, köpften die anderen gemütlich das erste Bier des Tages. Löblicherweise befanden sich einige Flaschen im heimischen Kühlschrank. Kurz darauf stand der Herr Bräutigam mit T-Shirt und Hose vor der johlenden Meute, die ihn nun passend bekleiden wollte. Ein alter, rot eingefärbter, 09-Bademantel diente als Jacke und eine schicke Krone schmückte das Haupt. Dazu gab es ein Zepter mit „Frau Gemahlin“ drauf und ein Schild auf dem der Grund der Verkleidung noch einmal näher erklärt wurde. Nachdem der König gekrönt war, setzten auch alle anderen Mitfahrer ihre Krönchen auf.
Um kurz vor sieben saßen dann alle im Auto zum Bahnhof, denn hier sollte die Reise nun wirklich beginnen. Herr Meyer wusste selbstverständlich nicht wohin es gehen sollte und so blieb ihm nichts anderes über als zu warten.
Erstversorger Rupprecht präsentierte dann am Bahnhof sein eigens zusammengestelltes Lunch-Paket, welches den meisten als Frühstück diente. Neben 4 Flaschen Bier (reichten ca. bis Minden) befanden sich außerdem 2-3 Frikadellen, 2 Bifi und 2 Brötchen im Paket. Eine perfekte Grundlage für alle Reisenden war geschaffen.
Die Fahrt im Regionalexpress nach Minden verlief dann gänzlich unspektakulär. Eine kleine runde „Tip-Top“ Bohnenkamp *wurgs* erheiterte nicht nur die eigenen Kehlen, sondern auch die einer Reisegruppe aus dem Umland, die ebenfalls von einem Junggesellenabschied nach Hause fuhren.


Spiel, OH König




Der erste Bahnwechsel fand dann in Minden statt. Dreißig Minuten Pause ließen einen kurzen Boxenstopp zu. Zur großen Freude des ortsansässigen Budenbesitzers wurde gleich ein größerer Geldbetrag aus der Mannschaftskasse in kühle Bierdosen getauscht. Mit aufgefülltem Tank wurde dann das Gleis 10 gesucht und gefunden.
Wenige Minuten später saß der Jungessellenabschied dann im Zug nach Rotenburg/Wümme, aus dem kurz zuvor noch einige HSV-Fans ausgestiegen waren. Entsprechend reinlich sah der Zug dann auch aus.
„Laßt die Spiele beginnen“ und so wurde dem Zukünftigen ein leeres Sparschwein ausgehändigt. Herr Meyer hatte in der Folgezeit die Aufgabe, durch verschiedene Spiele gegen andere Fahrgäste, Geld einzunehmen. Der Einsatz für die Fahrgäste betrug 1 € oder manchmal auch nur 50 Cent und die Gegenleistung war eines der tütenweise mitgeführten Werbegeschenke der Firma Tip-Top, der Sparkasse und von JdW. Das erste Spiel des Tages war Bällewerfen und nach anfänglichen Problemen passende Mitspieler zu finden, wurde das Spiel zum Selbstläufer. Nicht wenige Passagiere ließen sich zu einem Spielchen überreden und so kam Herr Meyer gar ins Schwitzen. Nach rund einer halben Stunde war der vordere Teil des Zuges komplett bespielt und man wollte sich nun um den hinteren Teil kümmern. Abwechslung war gefragt und so wurde das Wurfspiel beiseite gestellt und durch Würfelbecher ersetzt. Schon im ersten Abteil war die Gaudi groß, denn Moderator Arnold überredete die Mitreisenden sehr schnell zum Mitspielen. Der fantastische Gegenwert der Preise gegenüber dem geringen Einsatz tat dann den Rest. Schon nach weiteren 20 Minuten war ein ordentlicher Betrag zusammengekommen und selbst die netten Schaffner spielten mit. So langsam näherte man sich dann der nächsten Station und allmählich mag Herr Meyer mitbekommen haben wohin ihn der Weg führte, denn am Bahnhof in Rotenburg stand es unvermeidbar deutlich: Metropolitan nach Hamburg Hauptbahnhof.


Reisende spielten mit dem König




Das Umsteigen klappte reibungslos und schon nach wenigen Minuten war man auf dem weiteren Weg nach Hamburg. Eher langweilig verlief die Fahrt, denn man erkannte sehr schnell, dass das vermeintliche Bistro ein Automat war an dem man kein Bier erstehen konnte. „Der Jugendschutz“, erklärte die Schaffnerin und drehte sich dann schließlich um.
Um kurz vor halb zwei traf der Zug am Hamburger Hauptbahnhof ein und die lustig bekrönte Reisegruppe machte sich ans Aussteigen. Fröhlich taperte man durch die Innenstadt um zum ersten Tagesziel zu gelangen: dem Miniaturwunderland, dem Modelleisenbahnland in der Speicherstadt. Zunächst jedoch steuerte man Burger King an um die erste von noch einigen Mahlzeiten zu genießen.
Schließlich in der Speicherstadt angekommen stellte sich heraus, dass noch etwas Zeit war, bevor man die Miniaturwelt stürmen konnte. Kurzerhand wurde beschlossen eine Runde Bingo zu spielen. Praktischerweise befand sich direkt neben dem Eingang zur Miniaturwelt der Eingang zu den „Hamburg Dungeon“, einem Ableger der bekannten Gruselkiste Londons. Da dieser Ort von großem Interesse war, wartete eine entsprechende Menschenmeute vor dem Eingang. Grund genug den Leuten die Zeit etwas zu verkürzen. Schnell war die Maschine aufgestellt und Herr Meyer schaffte es gar einige Bingozettel zu verkaufen. Schon nach wenigen Minuten hieß es das Erste Mal „BINGO!“. Nach einer Runde jedoch war das Spiel beendet, denn die Wartezeit war um. Jeder der mitgespielt hatte erhielt zum Abschluss ein Präsent.
Einige kurze Momente danach wurde die Junggesellen-Gruppe dann durch einen Seiteneingang, an der warteten Masse vorbei, zum Gruppeneingang gelotst. Glücklicherweise war im Vorfeld die Gruppe angemeldet worden und man konnte sich so eine einstündige Wartezeit im Eingangsbereich ersparen. Für Herrn Meyer war zudem eine Sonderführung gebucht worden, die Einblicke „Hinter die Kulissen“ erlaubte. Herr Schmuddel begleitete ihn während der Rest der Gruppe die Anlage von vorne bestaunte. Nicht selten stand man mit weit geöffnetem Mund vor der kleinen Welt, die so viele Details präsentierte. Egal ob es der Nachbau der AOL-Arena war, ein Fahrradrennen oder Oma und Opa auf einer Bank, die Anlage war sensationell. Entsprechend spät sammelte sich die Gruppe schließlich in der Cafeteria und genoss einen Wachmacherkaffee. Danach verlies man die Hallen der Speicherstadt. Um die Spiele und die Bingomaschine nicht permanent mitschleppen zu müssen, wurde der Hauptbahnhof ein zweites Mal aufgesucht. In einem Schließfach wurden sämtliche, störenden Utensilien verschlossen.
Nachdem noch einmal kräftig aufgetankt wurde, ging es via U-Bahn zu den Landungsbrücken auf St. Pauli. Dort angekommen suchte sich Oberjunggeselle Meyer eine nette Barkasse aus und kurzerhand schunkelte die ganze Gruppe an Bord. Was folgte war eine einstündige Hafenrundfahrt, die alle Beteiligten zum chillen und staunen nutzten, denn der Kapitän der Barkasse lies sich nicht lumpen und zeigte so manche Sehenswürdigkeit im Hamburger Hafen. Nach der Rundfahrt war es dann soweit. Die Gemeinschaft setzte sich abermals in Bewegung und ließ den ein oder anderen Konkurenzjunggesellenabschied (unglaublich wie viele es gibt, oder achtet man sonst nie darauf!) hinter sich. Ziel war nun die Reeperbahn, die dann auch bis zum nächsten Morgen die Heimat sein sollte.


Nachdem dem die ersten Meter geschafft waren folgte man der Davidstraße in Richtung Herbertstraße und hier war dann auch unser erstes Ziel: Ein Dönermann! Da seit dem letzten Snack bereits einige Zeit vergangen war, platzten sich die Feierlaunigen auf eine Biertischgarnitur vor einem Dönerladen. Der Mann - nennen wir ihn Mustafa - begann sogleich mit der Fertigstellung von 10 Dönertaschen. Sein Bekannter - nennen wir ihn Ali - brachte 0,5 Liter Astra Pils Dosen. Wenige Minuten später wurde es plötzlich ruhig, denn alle anwesenden kauten an ihren Dönertaschen. Die Stille setzte jedoch zügig aus, denn vorbeilaufende Menschen erblickten, zunehmend erheitert, die Kronenkombo auf der Biertischgarnitur sitzend. Einige hielten gar an um sich nach dem Grund der Verkleidung zu fragen. Das Prozedere war nach einigen weiteren Minuten erledigt und man entschloss Ruppis Tipp anzunehmen und die Kneipe „Zum Anker“ zu besuchen. Diese Kneipe befindet sich genau auf der Ecke Davidstraße/Herbertstraße und somit mitten im Kiez.


Davidswache

Die Frau immer dabei



Ruppis gesprochene Worte entsprachen der Realität, denn es öffnete sich eine kultige, alteingesessene Kneipe vor den Augen der Reisegruppe. Schnell standen die ersten Biere bereit und die große Sause durfte beginnen. Besonderes Highlight : Die Musicbox, welche ausschließlich Klassiker beinhaltete und fachmännisch von Schmuddel bedient wurde. Bereits kurz darauf sang und pfiff die ganze Kneipe vor sich hin.
Nachdem so manches Bier durch die Kehlen der Gemeinschaft geflossen war, wurde der nächste Höhepunkt fachmännisch vorbereitet. Noch Junggeselle Herr Meyer bekam ein neues Hemd. Dies war selbstverständlich kein normales Hemd, denn fertig vorbereitete Flecken mit Eurobeträgen waren großzügig eingetragen. Sinn war nun, dass die Damenwelt die kostengünstigen Stücke kaufte. Zu diesem Zwecke lag eine Schere bereit. Es dauerte nur Sekunden, bis die beiden Brustwarzenstücke entfernt waren!
Langsam wurde es Zeit zu gehen, denn schließlich wollte man noch mehr von der Reeperbahn sehen. Nachdem man sich anständig verabschiedet hatte, ging der Tross durch die Herbertstraße, an diversen Schaufenstern vorbei, auf die andere Seite. Dort begrüßten uns gleich zwei HSV Fans die fröhlich mit dem altbekannten Lenni Klassiker „SG Wattenscheid 09".
Was folgte war ein langsames Voranschreiten, denn mehrere andere Junggesellenabschiede kamen der Gruppe entgegen. Bei jedem Bei jedem Zwischenstopp wurde mindestens ein Hemdteil verkauft. Jeder hatte mittlerweile das Zeitgefühl verloren und nach einem weiteren kurzen Kneipenstopp bewegte sich der Haufen weiter Richtung Reeperbahn. PINKELPAUSE, denn die Blasen drücken schon wieder. Kurz darauf standen die Zehn vor einer Kentucky-Filiale und machten sich über 40 Chickenteile her, die plötzlich herbeigeflogen kamen. Der fettige und scharfe Imbiss machte Durst und so dauerte es nicht lang bis das nächste Ziel, das Dollhaus erreicht war.
10 Euro Eintritt war schon sehr happig, dennoch entschied man sich für einen Besuch in diesem zwielichtigen Etablissement. Daß sich der Eintritt nicht lohnte erkannte man dann relativ schnell, denn bis auf einen Kurzauftritt einer „Tänzerin“ und einer kurzen Show passierte nicht wirklich viel in diesem Schuppen. Nach rund einer halben Stunde ging es also wieder raus und zurück auf die Reeperbahn. Da man Herrn Meyer jedoch nicht ohne angemessene Stripshow in die Ehe entlassen wollte, besuchte man kurzerhand einen weiteren Schuppen und gönnte sich ein leckeres Bier für schlanke 6 Euro das Stück. Nach den Auftritten der einen oder anderen weniger hübschen Tänzerin und einem Schnaps (war umsonst und schmeckte entsprechend!) verließen die Brothers den Laden um nun langsam den Abend ausklingen zu lassen.


Reeperbahn



Ein „wahrer“ Einheimischer zeigte der Gruppe dann den Weg zum Morgensnack, denn es war mittlerweile 04:00 Uhr geworden und bevor man zurück zum Bahnhof musste, wollte man noch entsprechend auf dem Fischmarkt frühstücken. Gesagt, getan und so kamen alle nach einem zehnminütigem Fußmarsch zu ihrem Fischbrötchen. Bei den meisten kam dann noch ein zweites oder drittes dazu!
Die letzten Schritte in Hamburg führten dann zurück zur Station Ladungsbrücken, denn von hier aus fuhr die U-Bahn zum Hauptbahnhof der Hansestadt. Um kurz nach Halbsechs setzte sich der ICE nach Wien in Bewegung. Ein Zwischenstopp im Ruhrgebiet war eingeplant.
Nach einem letzten Bier in der Bordbar ließen sich auch die letzten müde in die Sessel plumpsen. Die meisten erwachten erst kurz nach Münster und somit fast in heimatlichen Gefilden. Die 302 brachte schließlich jeden der Mitreisenden Heim. Ein langer und gerade für Herrn Meyer unvergesslicher Tag ging zu Ende.
Was bleibt ist eine Tolle Erinnerung an den ersten Junggesellenabschied der Blues Brothers !


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